Geschrieben von Timo Walther,
zuletzt bearbeitet am Mittwoch, 24. März 2010 um 23:42 Uhr.
| Inhaltsverzeichnis |
|---|
| 1. Aufgabenstellung: |
| 2. Interpretation der Prüglerszene |
1. Aufgabenstellung:
- Interpretieren Sie die Prüglerszene („Der Prügler“) im Roman „Der Prozess“ von Franz Kafka.
- Fassen Sie das Geschehen zusammen, das der vorliegenden Szene vorausgeht.
Bemerkung: Zeilenangaben beziehen sich auf die Ausgabe „Der Prozess“ des Hamburger Leseheft Verlags (2007).
2. Interpretation der Prüglerszene
Im Kapitel „Der Prügler“ aus dem Roman „Der Prozess“ von Franz Kafka geht es hauptsächlich um das Thema „Schuld“, wie im gesamten Roman verdrängt der Protagonist K. seine Schuld oder versucht sie auf andere abzuwälzen.
Das Kapitel spielt sich in einer Rumpelkammer in der Bank, in der K. arbeitet, ab. Dort trifft er spät abends auf die Wächter, die ihn damals in seiner Wohnung verhafteten und über dessen Handeln er sich auch vor dem Untersuchungsrichter, bei der „Ersten Untersuchung“, ausließ, und auf einen Prügler, der sie für ihren Amtsmissbrauch bestrafen und ihnen Peitschenhiebe zufügen soll. Damals verlangten die Wächter die Wäsche K.s, sowie seine Wertgegenstände und sein Frühstück. Beide Wächter, Franz und Willem, schieben den Grund, warum sie geprügelt werden sollen, K. zu. Dieser versucht erst den Prügler durch Bestechung dazu zu bringen die Bestrafung zu verhindern, als für K. jedoch die Gefahr besteht, dass seine Diener etwas von dem Geschehen in der Rumpelkammer mitbekommen könnten, schlägt er die Tür zu, schiebt die Schuld des lauten Schreiens auf einen Hund im Hof. Erst am nächsten Tag traut er sich wieder die Tür zur Rumpelkammer zu öffnen, wo wie zuvor die gleiche Szene vorzufinden ist. Daraufhin schließt er erneut die Tür und weist seine Diener an die Kammer zu entrümpeln.
Die Schuld und besonders das Schuldbewusstsein spielen in diesem Kapitel eine große Rolle. Besonders im Gespräch zwischen K. und den Wächtern wird die Ursache, warum das Geschehen in der Rumpelkammer stattfindet gleich zu Beginn diskutiert. Franz und Willem sind der Meinung, dass K. die alleinige Schuld an ihren bevorstehenden Qualen hat, weil er sich „beklagt“ hatte. Während K. seinen Standpunkt vertritt, dass sie sich auch nicht „einwandfrei“ benommen haben, haben die Wächter kein Schuldbewusstsein. Sie sind der Meinung, dass ihr Handeln in dieser Branche üblich ist und dass sie in ihrer sozialen Lage auf den Zuverdienst angewiesen sind, um zu überleben. Auch K. will sein Gewissen rein halten und rechtfertigt sich deshalb („ich habe mich nicht beklagt, ich habe nur gesagt“). Beide Wächter versuchen jedoch K. Schuldgefühle einzupredigen, indem sie über ihre guten Taten („[wir haben] gut gewacht“) und ihre verwehrte Zukunft („wir hatten Aussicht vorwärts zu kommen“) berichten. K. hingegen gibt sich eher unwissend, wie ein Kind, und versucht die baldige Bestrafung herunter zu spielen („Kann die Rute solche Schmerzen machen?“), wieder, um sein Gewissen zu beruhigen. Es zeigt sich aber in den folgenden Zeilen des Romans, dass sich K. in seiner Haltung erweichen lässt, weshalb er doch versucht die Prügel abzuwenden.
Der Prügler hingegen hat eher ein Schuldbewusstsein, wie es z.B. bei KZ-Aufsehern im dritten Reich vorhanden war. Anstatt sich über das eigene Handeln und über das Leid, dass er anderen zufügt Gedanken zu machen und sich dagegen zu wehren, sieht er nur die Aufgabe, die ihm von seiner Obrigkeit aufgetragen wurde. Anstatt den Mund aufzumachen, bleibt der Prügler unmündig, schiebt die Schuld auf „die hohen Beamten“ und lebt für seine Aufgabe („Ich bin zum Prügeln angestellt, also prügle ich.“ S.60), spürt nur Schuld, wenn er diese nicht ordnungsgemäß ausführen kann.
Alle drei Parteien schieben ihre Schuld auf die „hohen Beamten“ und „die Organisation“, anstatt den Fehler bei sich selbst zu suchen und ihn mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zu beseitigen.
Ebenfalls auffällig ist, dass die beiden Opportunisten, die Wächter, nur an ihren eigenen Vorteil denken. Nicht nur, dass sie später versuchen K. möglichst oft zuzustimmen („so ist es“ S.60 Z.29), um sich bei K. beliebt zu machen und ihrer Strafe zu entgehen, sie zeigen auch, dass sie keine gegenseitige Loyalität besitzen, um sich so noch einen höheren Stellenwert bei K. zu verschaffen („wenigstens mich […]. Willem ist älter als ich“ S.60 Z.42f).
Was jedoch ab etwa der Hälfte des Kapitels geschieht, spiegelt besonders die Psyche K.s wieder. Im Innern ist K. schwach. Er hält es nicht aus Schuld zu ertragen. Wie in den Kanzleien, bei denen er einen Schwächeanfall erlitt, der erst vorüber war, nachdem er von der Situation geflohen war, fällt es ihm auch in der Rumpelkammer schwer das Leid bzw. den Schrei von Franz zu ertragen.
Bei K. existieren zwei Welten. Auf der einen Seite ist sein Alltag, in dem er „alles in großer Ordnung“ (S.82 Z.2f) hält. Jede seine Aktivitäten sind feste, geplante Rituale, wie seine tägliche Arbeit bis spät am Abend, sein wöchentlicher Stammtisch, sogar seine Beziehung mit Elsa ist eher platonischer Natur. Seine Welt ist wie ein Büro, friedlich, geordnet und überschaubar. Auf der anderen Seite ist diese für K. neue Welt. Sie enthält Leid, wie das der Wächter, Missbrauch, wie der der Waschfrau, und Chaos, wie das im voll gedrängten Gerichtssaal. K. mag diese große, überwältigende Welt nicht, zu der auch die Rechtswelt dazu gehört, deshalb bekommt er auch Ohnmachtsanfälle oder wirkt oft verunsichert. In diesem Kapitel drohen die beiden Welten zu kollidieren, was K. jedoch nicht zulassen will. Ihm ist es wichtiger den Schein seiner heilen Welt zu wahren, als durch weiteres Zureden den Prügler von seiner Absicht abzuhalten. Aus diesem Grund schlägt er die Türe zu, wimmelt die Diener ab und hat Angst wieder zurück in diese fremde, brutale Welt zurück zu kehren, weshalb er die Tür weiter verschlossen lässt.
Innerlich hat er Schuldgefühle, die ihn „quälen“, aber anstatt sich der Situation noch zu stellen, schiebt er, wie üblich, die Schuld anderen zu. Als er beispielsweise ein Gespräch mit Fräulein Grubach führte und diese meinte, dass sie „schon müde“ (S.24 Z.21) sei, schob er ihr die Schuld für dieses nächtliche Gespräch zu („Sie kamen so spät“ (S.24 Z.22)), anstatt sich für die nächtliche Störung zu entschuldigen. Ebenso läuft es auch am Ende von Seite 61 ab. Anstatt sich selbst die Schuld zu geben, schiebt er alles auf Franz („es war nicht seine Schuld, […] hätte Franz nicht geschrien“). Er gesteht sich seine eigene Feigheit nicht ein, sondern rechtfertigt sein Handeln mit relativ unplausiblen Aussagen („in einem entscheidenden Augenblick muss man sich beherrschen“).
Auch die unveränderte Szene im letzten Absatz des Kapitels unterstützt diese These. Ihm bleiben die Bilder des Geschehens „im Sinn“ und K. fühlt sich zerstreut, doch statt seine Probleme endlich zu bewältigen, damit sie abgeschlossen sind, verschließt er sie hinter einer Tür und, wenn er zurückkehrt, sind sie nach wie vor ungelöst und „unverändert“ gegenwärtig. K. selbst versucht die Entrümpelung der Kammer, die ebenso sein Kopf sein könnte, nicht selbst – er hat Angst von dieser Verantwortung, dieses Chaos, die fremde Welt, in den Griff zu bekommen und gibt diese Last wieder an andere, die Diener, weiter („Räumt doch endlich“ S.63 Z.18). Auch die Wut in seiner Stimme und seinem Handeln („schlug mit Fäusten“, „warf einige Kopien durcheinander“) zeigt, dass er gern Herr der Lage sein möchte, wie in seinem geordneten Büro. Sein Scheitern, die Probleme in den Griff zu bekommen, zeigt sich in seinen Emotionen („fast weinend“ S.63 Z.16).
Ich persönlich denke, dass K. am liebsten alles kontrollieren möchte, auch sein Schuldbewusstsein bzw. seine Gefühle. Ein Zitat auf Seite 89 (Z.41ff) drückt sehr deutlich das Denken K.s und auch meine persönliche Meinung zu ihm, als eigentlich bemitleidenswerte Person, aus: „Jeden Gedanken an eine mögliche Schuld von vornherein [ablehnen]. […] Nicht mit Gedanken [spielen], sondern den Gedanken an den eigenen Vorteil festhalten“.
| Thema: | Interpretation der Prüglerszene im Roman "Der Prozess" von Franz Kafka |
| Form: | Aufsatz |
| Kategorie: | Deutsch |
| Note/Bewertung: | 14 Punkte (1) |
| Niveau: | 13. Klasse |
| Beschreibung: | Dieser Aufsatz interpretiert das Kapitel "Der Prügler" bzw. die Prüglerszene im Roman "Der Prozess" von Franz Kafka. Die Interpretation verdeutlicht das Handeln und Denken des Protagonisten K. und bezieht sich besonders auf das Hauptthema "Schuld" bzw. "Schuldbewusstsein". |
| Stand: | 19.10.2009 |


Kommentare
nur eine Anmerkung: es war nich Fräulein Grubach sonder Fräulein Bürstner, die er noch spät abends sprechen wollte...war bestimmt nur ein Tippfehler aber trotzden ;)
Texte, die im Netz veröffentlicht werden, sollten einen gewissen Anspruch an Richtigkeit erfüllen, der häufig nicht durch eine gute wohlwollende Note zum Ausdruck gebracht wird.
a) gekürzt
b) Das Kapitel spielt sich nicht in einer Rumpelkammer ab, sondern im Text des Romans. Also: Der Handlungsort des Kapitels ist ... (o.ä.)
c) Besonders im Gespräch zwischen K. und den Wächtern wird die Ursache, warum das Geschehen in der Rumpelkammer stattfindet gleich zu Beginn diskutiert. Der Text gibt keinen Hinweis darauf, weshalb die Prügelszene in der Rumpelkammer stattfindet.
Diese Liste der Ungenauigkeiten und Fehler ließe sich fortsetzen. Bitte bewahren Sie andere Schüler davor, diesen fehlerhaften Text in ihre Interpreationen einzubauen. Überarbeiten oder aus dem Netz nehmen heißt hier wohl die Devise.
MfG
ein Lehrer
MfG
ein Schüler
ich muss dem "Lehrer" zustimmen!
Sich als Schüler an so einem Text zu orientieren ist fatal.
Bitte rausnehmen und überarbeiten, damit sich niemand diesen Text als Vorlage nimmt.
Ein Schüler ;)
ich bin momentan in der 12.Klasse (G8) und arbeite am Prozess. Ich muss sagen, dass ich deinen Aufsatz leider als nicht dem geforderten Niveau entsprechend betrachtet Meine Deutschlehrerin war entsetzt war, das es dafür 14 Punkte gibt.
Ich sehe das leider genauso. Bei dir fehlt: eine kurzgebunden Einleitung, Texthinführung, sprachliche Analyse.
Nun käme dein Part (Deutungshypoth ese und Interpretation) . Dein Schluss geht aber nicht auf deine Deutungshypothe se ein.
Meine Lehrerin hätte dafür höchsten 6 Punkte gegeben.
Ich hatte in meinen letzten Klausuren auch 14 Punkte, jedoch habe ich bei einer Interpretation wirklich jedes Wort ausgelegt und in 2 Stunden teilweise 16 Seiten gefüllt. (ich weiß natürlich, dass Quantität nicht gleich Qualität bedeutet, aber ich will dir nur zeigen, was eigentlich von dir erwartet werden sollte.)
Dieser Superaufsatz wird einigen Leuten helfen die Prüglerszene richtig zu verstehen..
Niemand MUSS diesen Aufsatz so genau in eine eigene Klausur einbauen..
Ich finde diese Arbeit supergeil und mir hilft es auch sehr, also kack dich hier nich so ein..
MfG
ein Schüler
Vielleicht wurden sie von ihren Schülern gern genug gehabt
Ich habe ihn mir am Abend vor der Klausur angeschaut und siehe da, am Tag darauf kam die "Prüglerszene" auch dran
Da mich diverse Interpretations ansätze inspiriten, und ich mir zentrale Aspekte, die du veranschaulicht hattest, wiedergeben konnte, wurden es letztendlich eine 15 Punkte-Klausur xD
ich finde zwar, dass der Aufsatz sehr gute Aspekte enthält, allerdings keine "Note 1" ist. Dazu ist er zu kurz und ist nicht sonderlich gut strukturiert. Ich selbst bin eher Mittelschicht, was Deutsch betrifft, aber kann gut sagen, dass ich durchaus bessere Aufsätze zu Ohren bekommen habe, die nur etwa 10 Punkte ergeben haben.
André: 15 Punkte sind nicht gleich 15 Punkte. Wie oben erwähnt, kann ein 14 Punkte-Aufsatz auch mal nur 6 Punkte bei einer anderen Lehrerin wert sein. Und überhaupt ist es sehr unseriös von einem Deutschlehrer, 15 Punkte zu vergeben.
ich kann meinem Vorredner, Redner Nr. 1 nur zustimmen. Du solltest dich mit deinen eigenen Problemen beschäftigen, anstatt die von Herr K. zu ergründen. Wieso mischst du dich überhaupt in dessen Leben ein und versuchst dies auch noch auf intellektueller Limbo-Ebene zu ergründen ?
MfG
Michael Kohlhaas, der dessen Rechtsgefühl einer Goldwaage gleicht.
Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft und das Internet fördert diese ungemein. Auch Interpretatione n sehe ich als Meinungsäußerun g. Meinungen können auch von "geringerem Niveau" sein, wenn es nach Leuten geht, die sich auf einer "höheren intellektuellen Limbo-Ebene" befinden. Ich persönlich akzeptiere auch andere Meinungen, sonst hätte ich die einzelnen Kommentare auf meiner Seite nicht freigegeben. Ich weiß, dass mein Aufsatz nicht perfekt ist. Gerade das Fach "Deutsch" ist ein sehr subjektives Fach, wodurch eine perfekte Lösung nahezu nicht möglich ist. Jeder Leser wird von Texten anders angesprochen. Wenn aber sogar Abi-Buch Verlage meine Lösung in Teilen in Büchern veröffentlichen , kann diese nicht so schlecht sein. Ich kann mich den Kommentaren mancher Leute anschließen: Leute sollten Inhalt nicht nur aus einer Quelle beziehen, denn diese kann auch Fehler enthalten, dieser Aufsatz kann eine Quelle von vielen sein, um ein Gesamtbild zu erhalten.
Leute, die sich durch meine Interpretation provoziert oder in ihrer Deutsch-Ehre gekränkt fühlen, kann ich nur dazu auffordern es mir gleich zu tun und selbst Texte ins Internet zu stellen, anstatt zu fordern die wenigen Interpretatione n, die vorhanden sind, zu zensieren und offline zu nehmen. Ich bin offen für jede Kritik, deshalb postet Kritik hier. Ich habe zwar keine Zeit und Lust Änderungen an meinem Text durchzuführen, aber jeder kann Änderungsvorsch läge per Kommentar vorbringen, sodass Leser informiert sind und die Leute eventuelle Mängel meiner Arbeit bei der Verwendung von Textausschnitte n berücksichtigen können.